Ibn Bāǧǧa
Ibn Bāǧǧa (gest. 1139), den Lateinern als Avempace bekannt, war vor Averroes der erste im arabischen Spanien tätige Philosoph, der die Schriften des Aristoteles in systematischer Weise kommentierend erschlossen hat. Damit hat er methodisch und inhaltlich das Wirken des „Kommentators“ vorbereitet und stark beeinflusst. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Seelen- und Intellektlehre, die im Zentrum von Ibn Bāǧǧas Denken steht.
Aktuelle Forschungsprojekte
Historisch-kritische Edition von Ibn Bāğğas Kommentar zur Meteorologie
Ibn Bāğğas Kommentar zur Meteorologie des Aristoteles gehört zu den frühesten Versuchen im islamischen Westen, meteorologische Phänomene theoretisch zu erfassen. Die Edition bietet erstmals den vollständigen arabischen Text auf Grundlage der beiden erhaltenen Handschriften sowie eine englische Übersetzung. Eine umfangreiche Einleitung analysiert Struktur, Methodik und Überlieferung des Werkes, das aus fragmentarischen, teils unverarbeiteten Notizen besteht, jedoch zentrale Konzepte naturphilosophischer Systematik entwickelt. Im Fokus stehen Phänomene wie die Milchstraße, Kometen, Blitze, Erdbeben und klimatische Veränderungen, deren Erklärung Ibn Bāğğa auf eine reduktive Theorie zweier Exhalationen zurückführt. Seine meteorologische Methode verbindet empirische Beobachtung mit aristotelischer Kausalität. Die Edition wird durch ein Glossar, eine Tabelle zur Tradition der Meteorologie sowie eine vergleichende Darstellung griechischer und arabischer Kommentare ergänzt.
[https://doi.org/10.1515/9783112226513]
Mitarbeiter: Corrado la Martire
Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zur aristotelischen Physik
Ibn Bāǧǧas Kommentierung der Physik gehört derselben Textgattung an wie Averroes’ Kompendien (Epitomai) und hat auf die entsprechende Schrift des letzteren einen prägenden Einfluss ausgeübt, der sich bei aller zunehmenden Abgrenzung doch sichtbar bis in Averroes’ Großen Kommentar erstreckt. Neben einer fortlaufenden, sich aber immer auf die Haupttheoriestücke der Physik konzentrierenden Kommentierung der Bücher I bis VIII (Buch VIII unvollständig), sind uns von Ibn Bāǧǧa zwei umfangreiche weitere Teilkommentare zu Buch VIII sowie knappe, aber sehr dichte Notizen zu verschiedenen Stellen der gesamten aristotelischen Schrift überliefert. All diese Texte haben sich in lediglich zwei arabischen Handschriften erhalten, von denen frühere Editionen nur eine benutzen konnten. Zuletzt wurden die aus den besagten Notizen zu erschließenden Redaktionsstufen analysiert und dokumentiert.
Mitarbeiter: David Wirmer
Ibn Bāǧǧa, Die Lebensführung des Einsamen
Das Vorhaben umfasst eine kritische Neuausgabe des arabischen Textes von Ibn Bāǧǧas ethisch-politischem Traktat Tadbīr al-mutawaḥḥid, „Die Lebensführung des Einsamen“, die alle arabischen Handschriften sowie die hebräische Nebenüberlieferung berücksichtigt, und eine deutsche Übersetzung. Der Text analysiert die Lage des Philosophen in der Gesellschaft und behandelt die Bedingungen und Möglichkeiten intellektueller Vollendung im Kontext einer durch andere Lebensziele geprägten Umwelt.
Mitarbeiter: David Wirmer