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Edition des psychologischen Teils von Shem Tov Ibn Falaqueras Enzyklopädie Deʿot ha-filosofim („Ansichten der Philosophen“, DF)

Das vorliegende DFG-Projekt hatte die Edition des psychologischen Teils der hebräischen Enzyklopädie Deʿot ha-filosofim (DF) zum Gegestand und wurde Ende des Jahres abgeschlossen.
DF ist vermutlich die größte hebräische mittelalterliche Enzyklopädie, welche die Themen der Philosophie und Naturwissenschaft behandelt. Ihre Besonderheit besteht darin, dass sie zum Großteil als eine Zitatensammlung aus verschiedenen arabischen Werken verfasst wurde. Für die moderne Forschung ist sie daher in dreierlei Hinsicht von besonderem Interesse: Zunächst stellt sie für einen Mentalitätshistoriker eine aufschlussreiche Quelle für die sog. Verwissenschaftlichung des Judentums im christlichen Europa des 13. Jhs. dar, welche mit der Rezeption der aristotelischen Philosophie einherging. Alsdann bildet sie einen zusätzlichen Textzeugen für die Rekonstruktion vieler in ihr zitierten Werke. Und schließlich bietet sie den Philologen reichlich Stoff für die Erforschung der Geschichte der hebräischen Sprache und vor allem der hebräischen philosophischen und wissenschaftlichen Terminologie. Mit Ausnahme weniger Textausschnitte lag dieses Werk bislang nur in Handschriften vor. Der edierte Text umfasst die beiden ersten Kapitel der sechsten Abhandlung des ersten Buches (DF I:6:1-2), welche die Fragen der Seelenlehre im Themenumfang des aristotelischen De Anima-Traktates erörtern. Inhaltlich hing das Projekt eng mit dem der Averroes Edition zusammen, denn unter zahlreichen, von Falaquera selbstständig ins Hebräische übertragenen Zitaten stammen die meisten aus dem Kurzen und dem Mittleren De
Anima
-Kommentar des Averroes. Der edierte Text soll in elektronischer Form im Rahmen des DARE-Projektes zur Verfügung gestellt werden und samt einer Einleitung, apparatus criticus, apparatus fontium, apparatus similium et testimoniorum, sowie dem editorischen Kommentar, einem Glossar und einem Literaturverzeichnis in Buchform erscheinen.

Projektleiter: Ilya Levkovich
Mitverantwortlicher: David Wirmer
Förderung: DFG