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Ibn Bāǧǧa

Ibn Bāǧǧa (gest. 1139), den Lateinern als Avempace bekannt, war vor Averroes der erste im arabischen Spanien tätige Philosoph, der die Schriften des Aristoteles in systematischer Weise kommentierend erschlossen hat. Damit hat er methodisch und inhaltlich das Wirken des „Kommentators“ vorbereitet und stark beeinflusst. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Seelen- und Intellektlehre, die im Zentrum von Ibn Bāǧǧas Denken steht.


Aktuelle Forschungsprojekte

Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zur aristotelischen Physik

Ibn Bāǧǧas Kommentierung der Physik gehört derselben Textgattung an wie Averroes’ Kompendien (Epitomai) und hat auf die entsprechende Schrift des letzteren einen prägenden Einfluss ausgeübt, der sich bei aller zunehmenden Abgrenzung doch sichtbar bis in Averroes’ Großen Kommentar erstreckt. Neben einer fortlaufenden, sich aber immer auf die Haupttheoriestücke der Physik konzentrierenden Kommentierung der Bücher I bis VIII (Buch VIII unvollständig), sind uns von Ibn Bāǧǧa zwei umfangreiche weitere Teilkommentare zu Buch VIII sowie knappe, aber sehr dichte Notizen zu verschiedenen Stellen der gesamten aristotelischen Schrift überliefert. All diese Texte haben sich in lediglich zwei arabischen Handschriften erhalten, von denen frühere Editionen nur eine benutzen konnten. Im Berichtsjahr wurde der Editionstext der Bücher I-III erstellt und eine englische Übersetzung angefertigt.

Mitarbeiter: Torben Frey, David Wirmer

Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zu De generatione et corruptione

Ibn Bāǧǧas kompendienartige Kommentarschrift zu De generatione et corruptione, deren Einfluss auf Averroes bereits Heidrun Eichners 2005 erschienene Edition von dessen Mittlerem Kommentar zum selben Aristoteleswerk gezeigt hatte, liegt in denselben beiden Handschriften vor, die auch den Physikkommentar enthalten. Der Text zeichnet sich insbesondere durch intensive Reflektionen über die in und auf einfache Körper wirkenden Potenzen sowie wissenschaftstheoretische Einschübe aus, behandelt jedoch die Themen von De generatione et corruptione nur unvollständig, sodass die Edition insbesondere auch den logischen Aufbau des Textes und seine Bezüge zur aristotelischen Vorlage zu klären versucht. Der Editionstext, die englische Übersetzung, der kritische Apparat, das Glossar und die philologische und inhaltliche Einleitung sind abgeschlossen und bei De Gruyter erschienen: "Corrado la Martire. Ibn Bāğğa, Commentary on Aristotle’s ›On Generation and Corruption‹. Berlin, Boston: De Gruyter, 2021."

Mitarbeiter: Corrado la Martire

Historisch-kritische Edition von Ibn Bāǧǧas Kommentar zur Meteorologie

Ibn Bāğğas Kommentar zur Meteorologie ist kein Kommentar in dem Sinne, dass Aristoteles’ Text Wort für Wort gefolgt und dieser kommentiert würde, wie die griechischen Kommentare zur Meteorologie von Olympiodorus und Philoponus das tun. Er ist stattdessen vergleichbar mit Ibn Rušds „Kurzen Kommentaren“, die eine Art Paraphrase sind. Tatsächlich gibt es in Ibn Bāğğas Kommentar zur Meteorologie und in Ibn Rušds Kurzem Kommentar zur Meteorologie mehrere Passagen, die sich in Struktur und Formulierung ähnlich sind. Der Editionstext, die englische Übersetzung, der kritische Apparat, das Glossar und die philologische und inhaltliche Einleitung werden zur Zeit vorbereitet.

Mitarbeiter: Corrado la Martire

Ibn Bāǧǧa, Die Lebensführung des Einsamen

Im Rahmen der 3. Serie von Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters entsteht eine deutsche Übersetzung von Ibn Bāǧǧas ethisch-politischem Traktat Tadbīr al-mutawaḥḥid, „Die Lebensführung des Einsamen“. Der Text analysiert die Lage des Philosophen in der Gesellschaft und behandelt die Bedingungen und Möglichkeiten intellektueller Vollendung im Kontext einer durch andere Lebensziele geprägten Umwelt. Der Band wird einen zweisprachigen arabischen und deutschen Text und eine historische und philosophische Einleitung enthalten. Auf Grund einer neu zugänglich gewordenen Handschrift wird gegenwärtig der arabische Editionstext überarbeitet.

Mitarbeiter: David Wirmer